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Musterung

Von admin, 30. Juni 2009 11:36

   Musterungsuntersuchung: Wenn
einen der Staat mit offenen Armen empfängt
Männlich. Stufe 13. Potenzieller Soldat.
Doch Soldat kann in Deutschland nicht jeder werden. Musterungsuntersuchungen
stehen an. Für mich am 10. Januar diesen Jahres. Ich war da. Ergebnis:
Allergiker. Nichts Neues.

Doch die Folge: ab zur 2. Musterungsuntersuchung in die Bonner Innenstadt.
Auch da war ich – am gleichen Tag. Ergebnis: potenzielle Sellerieallergie.
Problem: da es unserer hoch modernen Armee leider unmöglich ist, Gerichte
ohne Sellerie zuzubereiten, kann man deswegen tatsächlich ausgemustert
werden. Brillenträger mit Heuschnupfen hingegen müssen ran.
Mir egal, ich will da nicht hin, zur Bundeswehr. Ich möchte verweigern
und dann für 12 Monate ins Ausland. Als „Zivildienstersatz“
ist das unter bestimmten Bedingungen seit den 90er-Jahren möglich. Hätte
ich das vielleicht lieber nicht sagen sollen?

Ich muss zur 3. Musterungsuntersuchung. Am 27. März. Wegen der „Wichtigkeit“
sogar ins Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz. Doch mein Bewerbungsgespräch
für diese Zivildienststelle ist früher. Ich will den Termin meiner
Untersuchung also vorverlegen. Antwort: „Ausgeschlossen!“. Nach
telefonischem Streit mit Koblenz war es mir dann doch gestattet am 26. Februar
zu erscheinen. Widerwillig, das merkte man bereits am Empfang. Auch mein behandelnder
Arzt wusste über meine „Dreistigkeit“ bereits Bescheid. Service
und Flexibilität: Fremdwörter. Ergebnis? Tauglich. Festgestellt in
weniger als einer halben Stunde.

Heute ist der 26. März. In den letzten Wochen habe ich dem Kreiswehrersatzamt
Bonn drei Faxe geschickt und vier Mal angerufen. Die für mich zuständige
Mitarbeiterin habe ich bis heute noch nicht einmal persönlich erreichen
können. Überraschenderweise bekomme ich heute endlich dennoch Auskunft:
„Ihre Musterung ist noch nicht abgeschlossen, am 27. März steht für
Sie noch eine Untersuchung an“. Ob der Mitarbeiter weiß, dass ich
diese bereits am 26. Februar brav absolviert habe?
Wieder Telefonate mit Bonn. Vier Mal, dann ist man endlich bei jemandem, der
zumindest laut Dienstbezeichnung Ahnung haben sollte. Ich erzähle ihm meine
Geschichte. „Aha“ ist alles, was er als fachlichen Kommentar einwirft.
„Was das nun heiße“, frage ich ihn. „Sobald die Befunde
bei uns eintreffen, werden Sie von uns hören, haben Sie einfach noch etwas
Geduld“. Ich hoffe, es gibt auch Befunde, wenn man gesund ist, sage aber
nichts. Ob er weiß, dass seinem Haus schon längst ein Brief aus Koblenz
vorliegen sollte? Nein, kümmern werde er sich nicht, ich sollte doch bitte
einfach noch etwas abwarten, er wüsste da jetzt auch „nichts näheres“.
Abwarten soll ich also. Mal wieder. Aber Geduld habe ich keine mehr.

Übermorgen fahre ich nach Köln. Da finden erste Seminare für
meinen Zivildienst statt, der am 24. Juli beginnen soll. Doch bis heute habe
ich noch nicht einmal mein Musterungsergebnis, so dass auch mein Antrag auf
Kriegsdienstverweigerung, den ich bereits am 10. Januar einreichte, noch nicht
bearbeitet werden kann. Service & Flexibilität: Fremdwörter. Auch,
wenn man dadurch eventuell die Annahme gewisser Zivildienststellen verhindert.
Konkret: habe ich bis zum Erscheinen dieses Artikels in der SPRECHSTUNDE nicht
mein Musterungsergebnis, kann ich 12 Monate USA wahrscheinlich knicken.

So herzlich empfängt einen unser Staat, für den man nun ein Jahr
lang arbeitet. Nicht, dass man mich falsch versteht: ich mache das nicht ungern,
ich sehe einen Sinn in der Wehrpflicht. Doch sollte man demjenigen, in dessen
Leben der Staat doch recht massiv eingreift, nicht versuchen entgegen zu kommen?
Wenigstens ein kleines bisschen. Bitte, bitte!
Ob sich bis zum Dienstschluss der Bonner um 15:15 Uhr vielleicht doch noch der
fehlende Bericht meiner Personenkennziffer aus Koblenz wiederfindet? Abwarten.

[ Nachtrag vom 28.07.2003 ]

Es kam zwar alles schlimmer als gedacht, aber mit meinem FSJ hat’s dann doch
noch alles problemlos geklappt, vor allem Dank sehr kooperativer Beamter im
Bundesamt für Zivildienst.
Da könnten sich die Beamten des Bonner Kreiswehrersatzamtes noch eine Scheibe
von abschneiden. Wegen einer Kopie von Unterlagen aus meiner Akte habe ich den
Kollegen vor Ort drei Wochen lang das gleiche Fax mit der Bitte um Rückmeldung
geschickt – bis heute erhielt ich jedoch keine einzige Antwort…

Veröffentlicht in der Schülerzeitung meines Gymnasiums im Frühjahr
2003.

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©
Nils Utz  ||  Erstellt: 28.07.2003

 

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