Vorbereitung: Musterung - Projektvergabe - Hospitation - Seminar in Osek - Ausreise
Hospitation
Im Rahmen unseres Vorbereitungsseminars in Köln, haben
wir für 3 Tage in Arbeitsbereiche hineingeschnuppert, in denen wir auch
später in unseren Projekten arbeiten werden.
"Rochus": Kontakt- und Beratungsstelle für
Wohnungslose der Caritas
"Nils, du gehst in ein Café, Rochus.
Stadtteilarbeit. Ansprechpartner ist Herr Lange; Beginn 10:30 Uhr".
Mit diesen Informationen bestieg ich also dienstag Morgen die Straßenbahn
und machte mich auf den Weg nach Ehrenfeld und war gespannt, was mich erwarten
würde. Erwartet wurde ich von besagtem Herrn Lange, einem Sozialpädagogen,
wie mir sein Namensschildchen verriet. "Die haben wir noch gar nicht lange",
hieß es, doch für mich lag bereits eines fertig vorbereitet auf dem
Schreibtisch einer erkrankten Kollegin.
"Schön, dass du hier bist! Kaffee, Tee? Erzähl’ mal, was du jetzt
genau machst? Wir gehen dazu am besten in mein Büro." Das entgegengebrachte
Interesse für meine Tätigkeit und die Zeit, die man sich dafür
an diesem sonnigen Morgen nahm, empfand ich als sehr freundlich und war sehr
überrascht, als man mir nach den ersten Minuten sogar einen Schlüssel
für die ganze Einrichtung aushändigte.
Bevor es dann für mich wirklich ins Café ging, gab mir Herr Lange,
inzwischen zu Ulli geworden, noch einen Überblick über die Arbeit
des Team "Rochus". Später erhielt ich dazu noch viel Informationsmaterial
und las die Jahresberichte ab dem Jahr 2000, so dass ich mir ein besseres Bild
von der Arbeit machen konnte und das ein oder andere Problem besser nachvollziehen
konnte.
Die Arbeit im Café bestand für mich vor allem darin, die Besucher,
allesamt Wohnungslose, zu bedienen. Heisst: Kaffee ausschenken, Kassieren, nacher
putzen.
Die Besucher kommen meistens schon um Punkt 11 Uhr, wenn das Café öffnet.
Verkauft wird (von einer abgetrennten Küche mit Theke) Kaffee, Saft, Wasser,
Brötchen und warmes Mittagessen zu günstigen Preisen. Das Mittagessen
für 1,30 €, das aus einer Krankenhausküche eingekauft wird, ist
neben dem Treffpunkt, der den Wohnungslosen geboten wird, sicherlich ein wesentlicher
Grund, für die hohe Besucherzahl von bis zu 40 Personen in der Mittagszeit.
Desweiteren stehen den Wohungslosen Waschmachinen (0,50 €), zwei Duschen
(0,30 €) und Toiletten zur Verfügung – dazu werden Waschzeug, Handtücher,
Rasierer usw. gereicht.
Natürlich ist das Café auch einfach Treffpunkt um den neusten Klatsch
& Tratsch zu diskutieren, zu lesen, Karten zu spiele o.ä.
In unregelmäßigen Abständen finden verschiedene Aktionen, wie
Skat-Turniere oder ein Kurzurlaub statt, organisiert von Freiwilligen und fest
angestellten Mitarbeitern.
Doch die Arbeit des Rochus-Team geht weiter: in einem abgetrennten Beratungszimmer
haben die Leute die Möglichkeit, über ihre Probleme mit den Sozialarbeitern
zu sprechen. Hier erhalten sie dann ev. Hilfe, in dem man sie z.B. bei der Reglung
von Formalitäten für die Ämter behilflich ist. Dabei gilt jedoch
die Deviese: die Leute müssen ein eigenes Interesse mitbringen, man trägt
ihnen die Arbeit nicht nach.
Eine weitere sinnvolle Einrichtung, von der ich bis dahin noch nichts wusste,
ist die Möglichkeit, sich hier ein Postfach einrichten zu lassen – da man
ja keine feste Anschrift mehr besitzt, für das Arbeitsamt aber beispielsweise
immer erreichbar sein muss. Diese "Poststelle" wird auch aus dem Beratungszimmer
aus geführt.
Darüber hinaus befindet sich direkt neben dem Café noch eine Kleiderkammer,
die nur morgens geöffnet hat. In diese habe ich zwar auch hineingeschaut,
aber nicht mit gearbeitet. Die Wohnungslosen haben hier die Möglichkeit,
kostenlos neue Kleider zu bekommen. Diese Möglichkeit wird von vielen Personen
regelmäßig genutzt.
Die Kleiderkammer trägt sich durch Spenden und wird von 4 Leuten betreut.
Vorurteile, wie "Obdachlose stinken und saufen", kann ich kaum bestätigen.
Zwar gab es auch diese Besucher, doch war es eine kleine Minderheit. Der Großteil
hat seine Arbeit verloren, sich von der Frau geschieden und dann seine Wohnung
verloren. Man findet neben diesen "ganz normalen" Personen aber auch
einige mit einem "psychischen Knax". Mehreren sah man nicht an, dass
sie wohnungslos waren, anderen würde man lieber nicht im Dunkeln begegnen.
Manche waren nur zwei Jahre älter als ich, aber ein Großteil sicherlich
50 oder bereits Rentner. Die beiden ältesten Besucher, 79 Jahre, besuchen
übrigens Englisch-Kurse und sind überzeugte Friedensaktivisten.
Die Palette von Besuchern ist also sehr vielfältig gewesen und so wurde
mir bewusst, dass man diese Gruppe nicht mit einer Beschreibung "abstempeln"
kann und es mehr Wohnungslose gibt, als man gemein hin annimmt.
Durch Ulli, der mir in den drei Tagen so viel Einblick wir möglich geben
wollte, erfuhr ich von Stefan Hütter, was die Schuldnerberatung in gleichem
Hause leistet und wie die tägliche Arbeit dort aussieht. Auch in die Arbeit
der Organisation "Mensch zu Mensch", die interessierte Freiwillige
auf unterschiedliche Einrichtungen in ganz Köln verteilt, erhielt ich eine
kurze Einführung.
Insgesamt lässte sich noch festhalten, das viel Arbeit auch aus Dokumenation
der Arbeit "vor Ort" besteht. So wird jeder verkaufte Kaffee schriftlich
festgehalten, jeder Besucher dokumentiert, die Inhalte der Beratungsgespräche
nach Schließung des Cafés um 15 Uhr ebenfalls schriftich festgehalten
und archiviert.
Zum einen, um die Prozesse besser überblicken zu können und zum anderen
um den Finanziers aufzuzeigen, was mit ihrem Geld geschieht.
Mitnehmen werde ich aus diesen drei Tagen also eine ganze Menge Wissen und
natürlich viele neue Eindrücke.
Besonders gefreut hat mich, wie schon erwähnt, die Zeit, die man sich nahm,
mir in dieser kurzen Zeit so viel wie möglich vermitteln zu wollen – sei
es, indem man mich an Beratungsgesprächen teilnehmen ließ o.ä.
Besonders, da mehrere Mitarbeiter erkrankt waren und deswegen mehr Arbeit als
sonst auf den anwesenden Personen lastete.
Adresse:
Caritasverband für die Stadt Köln
Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose "Rochus"
Bartholomäus-Schink-Straße 6
50825 Köln
Homepage
© Nils Utz ||
Erstellt: 01.08.2003