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Ausreise / Einreise

Von admin, 30. Juni 2009 11:38

   Visum, Ankunftsdatum und Flug: eine Odyssee
Um in die USA einreisen zu können, benötigt man ein Visum. Die dafür nötigen Unterlagen hatte ich im Internet schnell gefunden und auch heruntergeladen. Beim studieren derselben wurde ich aber immer wieder stutzig und begann, das Einwanderungsland USA langsam für nicht besonders einwanderungsfreudig zu erklären.
Part I: Passfoto. Man muss seinem Visumsantrag nicht etwa ein normales Passfoto beifügen, es wird ein Bild in der Größe von 5 x 5 cm verlangt, welches es nur auf Sonderwunsch beim Fotografen gibt. Aber nicht irgendein Bild, nein, Hintergrund, Kopfgröße, Ausrichtung der Ohren, Bekleidung, für alles gibt es Anweisungen.
Part II: Kosten. Ein Visum kostet Geld, denn es will bearbeitet werden. So hat man lediglich die klitze-kleine Aufwandsentschädigung von 90,- EUR zu überweisen! Aber nicht online, denn es wird die Überweisung samt Originalstempel der Bank verlangt.
Part III: Termin. Seinen Visumsantrag hat man sebstverständlich auszufüllen, doch bearbeitet werden kann dieser nach dem 11. September 2001 nur noch, wenn man ihn auch persönlich bei der Botschaft in Frankfurt abgibt und sich einem "Interview" stellt. Einen Termin oder auch nur Informationen zum Visumsantrag gibt es unter einer kostengünstigen 0190-Rufnummer für 1,89 EUR pro Minute.

Man könnte fast meinen, jetzt kann es ja losgehen, doch da liegt man leider völlig falsch, jetzt ging es erst los.
Um den 3-seitigen Visumsantrag ausfüllen zu können, benötigte ich einige Angaben, wie mein Ankunftsdatum und die Adresse meiner Einsatzstelle in den USA. Diese hatte ich aber nicht, weil die UCC, Partnerkirche in den USA, uns noch nicht auf die Projekte verteilt hatte.
Damit lies sie sich auch Zeit. Erst nach Telefonaten mit der Kirche im Rheinland, der UCC und mehreren Email mit der Prioritätsstufe "hoch" gab es neues. So trafen meine benötigten Unterlagen nicht wie ursprünglich angenommen Mitte Juni, sondern erst genau eine Woche vor dem Vorbereitungsseminar in Köln ein.

Jetzt galt es, schnellst möglich noch einen Termin bei der Botschaft in Frankfurt zu bekommen. Das Geld war überwiesen, die Fotos gemacht. Für ca. 12 EUR erfuhr ich dann bei besagter Informationshotline, dass der nächste freie Termin der 13. August sei und das sei definitiv. Zu diesem Zeitpunkt würde ich jedoch in Tschechien weilen, am 21. August wollte ich ausreisen. Ratlosigkeit.
Ralf erklärte sich auf Nachfrage leider nicht bereit, doch bitte von der Kirche aus mit Frankfurt zu telefonieren um unsere Situation zu erklären. Er gab uns den Rat ein "runter" zu fahren. Das taten wir denn auch einen Tag vor unserem Seminar in Köln, wir hatten keine andere Wahl.
Dort angekommen und sogar von schwer bewaffneten Polizisten bis zum Info-Kiosk der Botschaft durchgelassen, wurden wir aber abgewiesen, schließlich sei der Termin nur telefonisch auszumachen und ohne Termin ginge schonmal gar nichts. Doch wir gaben uns nicht geschlagen, warteten eine Stunde und endlich hatte der bärtige Mensch hinter den Gitterstäben ein Einsehen. "Okay, ich gebe euch einen VIP-Termin für den 8. August um 10:30 Uhr. Take it or leave it." Wir nahmen ihn, obwohl wir am 6. August nach Tschechien fahren sollten, wir sahen keine andere Wahl.
Ralf sah das anders. Wir warteten noch eine Stunde, dann kam sein Rückruf: "Ich habe einen Termin für euch für den 4. August um 10:30 Uhr bekommen, den nehmt ihr".

So war es dann auch, am 4. August ging es wieder nach Frankfurt, ein zweiter Tag mit sitzen und warten verbracht. Endlich in der Botschaft stellte sich das "Interview" als Frage: "Gehören sie dazu?" heraus, aber warten mussten wir nur darauf trotzdem sicherlich 45 Minuten.
Sonntags kam ich vom Vorbereitungsseminar in Köln zu Hause an, Montag ging es zur Botschaft, am Mittwoch Morgen fuhr ich bereits nach Tschechien. Es gab keine Zeit zu verlieren, denn ich hatte zwar inzwischen die Adresse meiner Einsatzstelle in den USA und auch Kontakt mit dem Freiwilligen vor Ort, aber es herrschte Unklarheit über mein Ankunftsdatum. Meine Projektstelle in den USA hatte sich die 10 Tage, die ich in Köln verbrachte, leider nicht mehr gemeldet und so hatte ich auch keinen Flug buchen können, wollte aber in 20 Tagen Deutschland verlassen.
Es blieb mir also nur der Dienstag um im Reisebüro für zwei mögliche Termine einen Flug zu reservieren und mal wieder abzuwarten.
Tschechien kam und ich hatte immer noch keinen Flug. Zwei Tage später eine SMS meiner Mutter: "Nils, du kannst nun doch ab dem 16.08. kommen". Meine Antwort: "Dann buche bitte den Flug am 21. August". Endlich.

Das Ende einer Odyssee. Es hat lang gedauert und kam doch noch zu einem guten Ende, bis auf das ich am Geburtstag meiner besten Freundin Deutschland verlasse, meine Eltern hatten ihren 2-wöchigen Urlaub nämlich schon zuvor ab dem 22. August gebucht.
Das ich Visum und Flug doch noch rechtzeitig inneralb von 10 Tagen, die ich vor und zwischen den Vorbereitungsseminaren zu Hause war (früher hatte ich einfach keine Ahnung, wo ich in den USA hinkommen werde), noch besorgen konnte, schien mir nach all den schlechten Erfahrungen wie ein kleines Wunder.

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   Gefühle
Linda, eine Freiwillige, traf mit der Aussage "Neugier und Freude überwiegen, aber da sind auch Angst vor der Sprache und dem Heimweh." auch meine Stimmung in den Tagen vor dem Abflug. Abschied nehmen als auch Vorbereitung standen jetzt gleichermaßen auf der Tagesordnung.

Ich denke, ich habe kurz vor Beginn der Seminarzeit meine Umwelt bewusster wahr genommen als sonst. Strecken, die man jahrelang zur Schule fuhr, den Ausblick nach Birlinghoven von meinem Fenster, Freunde, Partys, Familie.
Das hat durchaus schöne seiten, denn man reflektiert viel mehr als sonst sein Handeln und wird sich bewusster, wie man eigentlich zu einigen Leuten steht. Eine sehr schöne Erfahrung war auch zu merken, welche und wie viele Leute sich Gedanken um mich und meine Ausreise gemacht haben. Das ist fast besser als Geburstag! Wenn man denn nicht auch wirklich "Tschüs" sagen müsste. Denn es sind viele Menschen, die ich nur sehr ungern zurück lasse, wie mir nicht zuletzt auch durch einige nette "Abschiedsbriefe" bewusst wurde.

Für mich war ein Problem, dass ich bis 7 Tage vor meinem ersten Vorbereitungsseminar meinen Freunden und potenziellen finanziellen Unterstützern nicht genau sagen konnte, wo ich in den USA denn nun genau wohnen und arbeiten werde. Ich wusste auch nicht, was ich dort tun werde. Und ich wusste nicht, wann ich abfliegen würde.
Besonders der unklare Abflugtermin machte es mir nicht leicht, sich zu verabschieden, denn man wusste nicht, ob man die Leute nicht doch noch einmal wieder sieht. Und mir selbst fiel die Planung dadurch auch nicht unbedingt leichter, denn es war einfach sich selbst zu sagen: "Nils, das hat noch Zeit".
Das die Ausreise so kompliziert werden würde, hätte ich zuvor nicht gedacht, wenn auch alles gut ausging und ich mit der jetzigen Lösung sehr zufrieden bin.

Gleichzeitig stellt man sich natürlich Fragen, wo man denn eigentlich landen wird. Was bringe ich wem als Gastgeschenk mit? Habe ich dort Radio? Funktioniert meine elektrische Zahnbürste auch bei 110V und 60 Hz? Brauche ich wirklich Boxen mitnehmen? Handtücher? Wie komme ich an Geld? Was sage ich zur Begrüssung? Hoffentlich verstehe ich auch alles…
Unruhig wurde ich immer mehr, je näher meine Ausreise rückte, besonders, als dann auch endlich mein Ausreisedatum fest stand und ich das Gefühl bekam: es ist viel zu früh!
Gerade in Tschechien machte ich mir ein wenig Sorgen, zu viel in Gedanken die Vergangenheit zu reflektieren und mir dadurch den Blick nach vorne zu versperren, der eigentlich viel interessanter und "angesagter" wäre.
Man wird sehen…

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© Nils Utz  ||  Erstellt: 14.08.2003
 

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