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Wohnen

Von admin, 30. Juni 2009 11:34

Was passiert, wenn man sechs Mädels und einen Jungen in ein Haus neben dem College steckt und sich selbst überlässt? Sie wohnen zusammen und haben Spaß! Auch ohne einen funktionierenden Tachometer im Auto, so dass weder Geschwindigkeit noch Kilometerstand kontrolliert werden können; auch ohne Bügelbrett und Bügeleisen; auch ohne einen Haustürschlüssel zu besitzen, dafür aber einen Staubsauger aus dem Jahr 1982!
Natürlich, kein 1st-class Hotel, aber muss das sein? Ich fühle mich wohl und genieße die Zeit hier sehr. Wenn man unser Leben hier von außen betrachtet, dann hat die Situation für mich etwas Lustiges: Man ernährt sich von offiziell abgelaufenen Lebensmitteln, die ich aus der Food Bank mit in unser Haus bringe, so dass wir zum Beispiel noch nie Brot haben kaufen müssen. Dabei stört es einfach niemanden – ein Stück Alltag, der nicht dem meinigen in Deutschland entspräche.
Was landet also auf meinem Teller? Zum Frühstück besagter Toast, der zwar nichts mit Brot gemeinsam hat, aber als Grundlage für allerlei Sandwichs dient, morgens meistens mit Marmelade. Zum Mittagessen gibt es montags bis mittwochs Suppe, Salat oder ein Sandwich, je nachdem wonach mir im Milagros gerade zu Mute ist und wovon wir genügend haben. Donnerstags und freitags wird im Shelter gespeist, am Wochenende kochen wir meist abends selbst. Und mein Abendbrot besteht meistens aus einem Sandwich – sollte einmal kein anderer Hausbewohner voller Großzügigkeit gekocht haben oder man nicht eingeladen sein.
Einmal pro Woche gibt es ein Haus-Abendessen, das von jeweils zwei Mitbewohnern für alle zubereitet wird.
Das Haus teile ich – wie bereits erwähnt – mit sechs anderen weiblichen Freiwilligen, von denen vier bei La Puente arbeiten, zwei in anderen Freiwilligenprogrammen in Alamosa. Ich denke, wir kommen alle gut miteinander aus, vor allem wir vier, die bei La Puente arbeiten, was auch mit dem Alter zu tun haben könnte (siehe Anhang).
So ist eigentlich immer irgendwer zu Hause, einsam muss man sich also nicht fühlen. Wenn man seine Ruhe haben will sucht man einfach sein Zimmer auf.
Mein "Reich" ist richtig groß, mein Kleiderschrank bestimmt vier Meter lang, der Boden mit „typisch amerikanischem“ orangefarbenem Teppich bepflastert, die Wände künstlerisch in mehreren Brauntönen gefärbt, die mich anfangs viel zu kahl angelacht haben. Fotos und Landkarten halfen mir, das Ganze etwas wohnlicher zu gestalten. Mikki malte für mich schöne bilder und ich erstand auf einem Solidaritätsverkauf der Food Bank für eine kranke Frau eine riesige Pflanze, so dass ich mich schon viel wohler fühle und mein „zu Hause“ im so genannten Murphyhouse gut annehmen konnte.
Die, mit denen ich am Anfang bereits in Kontakt stand, werden sich erinnern, dass dies nicht immer so war. In meinen ersten 2½ Wochen lebte ich nämlich in einem anderen Freiwilligenhaus neben dem Shelter, gemeinsam mit dem deutschen Freiwilligen Udo und Adrienn, einer Freiwilligen aus Ungarn, sowie einem älteren Ehepaar aus den USA. Nach dem Ende der Dienstzeit von Adrienn und Udo verbrachte ich meine Freizeit ohnehin im Murphyhouse und da dort ein Zimmer frei war, entschloss ich mich, das perfekt gelegene Volunteerhouse gegen ein nach Spaß aussehendes Murphyhouse am Stadtrand einzutauschen. Eine Entscheidung, die mir nicht leicht fiel, die ich aber nicht bereue! Ich denke und hoffe, hier nun mein Jahr verbringen zu können – ohne weitere Umzüge.

Sprache

17.10.2003: Die Sprache ist kein so großes Problem wie anfangs befürchtet. Nicht, dass ich mir ernsthaft Sorgen gemacht hätte, aber man ist doch gespannt und nervös, wie es denn so laufen wird. Ich möchte auch nicht behaupten, Englisch würde für mich nach einem Monat schon kein Problem mehr darstellen. Aber ich kann mich ohne Hände und Füße verständigen und meine Gedanken anderen Menschen mitteilen.
Ich habe viel Lob für meine Sprachkenntnisse bekommen, wenn mein Akzent auch häufig Nachfragen hervorruft. Zurzeit habe ich aber eher das Gefühl, dass es sprachlich nicht so recht weitergeht… Nun, ich werde weiter üben!
Es ist allerdings überraschend, wie viele Deutsche man trifft. So habe ich Kontakt zu Frank Raiser, einem Arzt, der bis zu seinem 6. Lebensjahr in Deutschland wohnte und noch perfekt Deutsch spricht, treffe Leute auf dem Campus, die aus Deutschland sind und natürlich deutsche Touristen im Milagros oder in Santa Fe sowie Taos. Natürlich freut sich Heidi – eine weitere Freiwillige aus Deutschland – immer deutsch zu sprechen.
Das Vorurteil, Amerikaner würden nichts mit Deutschland anzufangen wissen, kann ich nicht bestätigen, da 85% entweder deutscher Abstammung sind oder zumindest auf Grund des Zweiten Weltkriegs dort gelebt haben, so dass ein Gesprächsthema immer schnell gefunden ist.

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