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Food Bank

Von admin, 29. Juni 2009 20:16

La Puente unterstützt „Action against hunger and malnutrition“ (AAHM), eine Aktion, die 13 so genannte Food Banks in allen größeren Orten des Tals betreibt – die größte ist dabei in Alamosa, die auch das Büro einschließt.

Das „Gleaning“-Projekt sammelt auf bereits geernteten Feldern die zurückgelassenen Lebensmittel ein, die dann im Shelter oder der Food Bank verwendet werden. Dieses Projekt wird vor allem von Schulklassen nach Terminvereinbarung angenommen und vermittelt „nebenbei“ Wissenswertes über die Landwirtschaft in dieser Gegend.

Diese Einrichtung, nicht weit von Milagros zentral in Alamosa gelegen, mag dem ein oder anderen aus Deutschland bekannt vorkommen: wir vergeben gespendete Lebensmittel.
Morgens fahren wir zu SAFEWAY, einem der größten Lebensmittelgeschäfte im Tal. Dort gibt man uns Waren, die offiziell abgelaufen sind und daher nicht mehr verkauft werden können – bei uns landen sie wieder im Regal. Auch gibt es Spenden von Privatpersonen. Darüber hinaus liefert uns das Gleaning-Projekt (außer im Winter) frisches Obst und Gemüse. Fleisch kommt von der Schlachterei, zum Beispiel von Tieren, die bei Autounfällen ums Leben kamen. Es kommt aber auch vor, dass wir selbst einkaufen, wenn essentielle Produkte wie Tomatensauce, Thunfisch, Mehl o.ä. fehlen.

In der Food Bank arbeiten immer zwischen zwei und drei Personen im „Front-Bereich“, also mit unseren „Kunden“. Dabei ist Luette, die jeden Tag in der Food Bank arbeitet, auch Koordinatorin für das Gleaning-Projekt; sie hilft daher nur aus, wenn uns viele Menschen besuchen. Lalo, der Direktor der AAHM, arbeitet drei Tage in seinem Büro im hinteren Bereich der Food Bank.

Ich selbst bin dort jeden Donnerstag und Freitag von 8:00 – 16:30 Uhr, mit einer Mittagspause von 12 bis 12:30 Uhr, die ich dazu nutze, im Shelter zu essen.
Meine Arbeit besteht morgens darin, unsere Regale mit neuen Lebensmitteln aufzufüllen. Was die Leute entnehmen, muss aus unseren hinteren Lagerräumen am nächsten Morgen wieder „aufgefüllt“ werden. Dies ist natürlich nicht immer möglich, da wir die Art unserer Spenden nicht beeinflussen können.
Erhalten wir mehr Spenden als wir in absehbarer Zeit gebrauchen können, so beliefern wir das Shelter, das Altersheim, Kindertagesstätten o.ä. und versuchen auf diese Weise keine Lebensmittel wegzuwerfen – selbst schlecht gewordene Lebensmittel werden für die Verfütterung an Schweine aufbewahrt.
Darüber hinaus gibt es immer ein wenig Papierkram. Jeder Besucher wird mit vielen Angaben in einem doppelten Register geführt – im PC und auf Papier. Beides will aussortiert, aktualisiert und zurücksortiert werden.

Für Kunden haben wir dann von 13 – 16 Uhr geöffnet. Diese müssen nicht ihr Einkommen offen legen, aber einen Wohnsitz in Alamosa nachweisen und einige persönliche Angaben für die Statistik machen.
Die Vergabe der Lebensmittel erfolgt nach einem speziellen Punktesystem. Lebt man alleine, hat man 15 Punkte, zu zweit 20, zu dritt 30 usw. Brot, Gemüse und Milch sind 0-Punkte-Waren, zählen also nicht und man kann diese jederzeit von uns bekommen. Alle anderen Produkte sind von uns anhand von Größe und „Nährwert“ auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet. Eine Dose Thunfisch entspricht dabei z.B. 1 Punkt, Cornflakes 5 – weil es sich um größere Packungen handelt, aber auch um Dinge, die man nicht so essentiell braucht. Es ist also jedem Besucher überlassen, was er sich herauspickt.
Eine weitere Regel besagt: Jede Familie kann sechsmal im Jahr kommen, dabei aber nur höchstens einmal im Monat. Brot und Gemüse gibt es aber wie schon erwähnt immer.
Während dieser Zeit ist es meine Aufgabe die Lebensmittel der Kunden in Kisten zu verpacken und sie mit Produkten aus unseren Kühlschränken und Gefrierern zu versorgen.
Die Leute, die wir bedienen, sind sehr verschieden: vom pensionierten Single bis zur Großfamilie. Einen Großteil machten im letzten Monat die so genannten „migrant farmworker“ aus, die hier für die Kartoffelernte bleiben, wenig Geld verdienen und häufig in ihren Autos schlafen.
Es gab bereits sehr bewegende Augenblicke, wenn einen Leute umarmen, nachdem man sie bedient hat und einem tausendmal für das Essen danken, das sie von uns bekommen. Sehr nachdenklich und traurig hat mich auch der Satz eines kleinen Jungen gemacht, nachdem seine noch kleinere Schwester fragte, wo Mama sei: „Mum is getting food for us“.
Bei anderen Leuten scheint es nicht ganz so essentiell zu sein, doch wir helfen generell erst einmal jedem, der zu uns kommt.

Die Food Bank ist vor allem morgens, wenn wir nicht für Kunden geöffnet sind, ein sehr entspannter Arbeitsplatz mit netten Leuten, so schwer manche Lebensmittelkisten auch sein mögen! Die Arbeit macht Spaß, weil man helfen kann und diese Arbeit eher einem „Freiwilligenprogramm“ entspricht.
Wenn man auch nicht die Lebensgeschichte der einzelnen Familien kennen lernt, so entsteht dennoch ein gewisser Kontakt und es ist ein gutes Gefühl durch seine Arbeit hoffentlich das Leben seines Gegenübers ein wenig einfacher machen zu können.

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