Tag der Deutschen

Von admin, 9. März 2009 23:00

Heute war der Tag der Deutschen.

Waehrend ich bisher immer innerlich darauf gewartet, ja sogar gehofft habe, nach 3 Studenten hebraeischer Unterhaltung vielleicht kurz einem Patienten so gegenueber treten zu koennen, das ich meine koerperliche Untersuchung an ihm nicht beschaemend finde, kamen heute direkt mehrere Israelis in den ER, die aus Deutschland und Oesterreich stammen.
Sie kamen einer nach dem Anderen und jeder hatte seine ganz eigene Geschichte. Und ich hatte sogar genug Zeit, mich zwischen dem Trubel, der die Notaufnahme umgibt ein paar persoenliche Worte zu wechseln.

Allen gemeinsam war eine unheimlich “reife” Art mit diesem Thema umzugehen.
Ohne mit einer ganz bestimmten Reaktion zu rechnen als ich mich, wie immer, als deutschen Studenten vorstellte, war ich doch ueberrascht von allen Patienten von sich aus auf Deutsch angesprochen zu werden.

Eine Mann wurde ganz nostalgisch als er von seiner Arbeit in Graz erzaehlte. Jemand anderes vermisste die Wuerstchen und die Sauberkeit und kommt noch regelmaessig zu Besuch.
Eine Frau musste ich erst fragen, ob sie vor den NAZIs fliehen konnte. Als ich auf das Schweigen, das folgte, eine Antwort suchte, nahm sie meine Hand und sagte ganz selbstverstaendlich: “das ist ja nicht deine Schuld” und oeffnete damit den Raum fuer einen Austausch. Das hat mich sehr beruehrt.
Eine weitere alte Frau hielt mir mit den Worten: “ich mag noch nicht einmal die Sprache” ihren Arm unter die Nase, auf dem Ihre KZ-Nummer eintaetowiert war um mich im Anschluss trotzdem ihren Mann untersuchen zu lassen und sich sogar ueber ein Gespraech auf Englisch zu freuen.

Momente, die mir noch einmal das Grauen im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen fuehrten; mich erinnerten, das es noch immer Zeitzeugen gibt; mich erinnerte, das sich die schrecklichen Erlebnisse von damals so oder so  “eingebrannt” haben werden, aber die Nummern auf dem Armen es die Betroffenen jeden Tag wieder erinnern laesst.

Wahrscheinlich wird man denken, ich habe mir bereits vorher viel Gedanken zu diesem Thema / so einem Treffen meine Gedanken gemacht, mir vielleicht etwas ueberlegt.
So war es aber nicht. Ich wusste, das der Tag kommt und ich beschloss, die Dinge auf mich zukommen zu lassen und bin gut damit gefahren.
Erst im Austausch mit Kathrin ist mir dann aufgefallen, wie sehr ich mich seit meinem Jahr in den USA auf einen bestimmten Umgang mit diesem Thema festgelegt zu haben scheine. Mein Weg scheint mir zum Glueck recht sicher und stabil, es ist ein guter Weg, aber man weiss troztdem nicht, wann es Steinschlag gibt.

Ein spannendes Kapitel von dem ich mir, so schwer es auch manchmal scheint, mehr wuensche.

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